Felix BaumannVIEW PROFILE →
Der Schwarze-Loch-Stern: warum ein neues kosmisches Objekt Astronomen begeistert
Astronomen haben mit dem James Webb Teleskop ein voellig neues Objekt entdeckt, einen sogenannten Schwarzes-Loch-Stern aus dem fruehen Universum. Ich erklaere, was MoM-BH-1 ist, warum es leuchtet ohne Kernfusion und wie es eines der groessten Raetsel der Astronomie loesen koennte.
Manchmal entdeckt die Astronomie etwas, das so seltsam ist, dass man erst zweimal hinschauen muss, und genau das ist im August 2026 passiert, als Forscher in der Fachzeitschrift Nature ein voellig neues kosmisches Objekt vorstellten, das die Regeln unserer bisherigen Vorstellung von Sternen auf den Kopf stellt.
Die Rede ist von einem sogenannten Schwarzes-Loch-Stern, und schon der Name klingt wie ein Widerspruch in sich, denn ein Stern und ein Schwarzes Loch gelten eigentlich als zwei voellig verschiedene Dinge, die man normalerweise sauber voneinander trennt, hier aber auf faszinierende Weise miteinander verschmelzen.
Ein Stern ohne Kernfusion

Um zu verstehen, was daran so besonders ist, hilft ein kurzer Blick darauf, wie ein normaler Stern funktioniert, denn ein gewoehnlicher Stern wie unsere Sonne leuchtet, weil in seinem Inneren durch Kernfusion staendig Wasserstoff zu Helium verschmilzt und dabei gewaltige Mengen an Energie freigesetzt werden.
Bei diesem neuen Objekt ist das aber ganz anders, denn seine Leuchtkraft entsteht nicht durch Kernfusion, sondern durch ein hungriges Schwarzes Loch im Zentrum, das von einer riesigen, dichten Wasserstoffhuelle umgeben ist, die ungefaehr die Ausdehnung eines ganzen Sonnensystems besitzt.
Diese Huelle ist so dicht und ausgedehnt, dass das gesamte System im Teleskop einige der typischen Merkmale eines gigantischen Sterns zeigt, obwohl in seinem Herzen in Wahrheit kein brennender Sternkern steckt, sondern die Schwerkraftfalle eines wachsenden Schwarzen Lochs.
Ein Blick in die Kindheit des Kosmos
Das konkrete Objekt traegt die etwas sperrige Bezeichnung MoM-BH-1 und wurde bei einer Rotverschiebung von rund sieben Komma acht beobachtet, was bedeutet, dass sein Licht zu uns unterwegs war, als das Universum gerade einmal etwa sechshundertsechzig Millionen Jahre alt war.
Wir blicken hier also tief in die Kindheit des Kosmos, und die Analyse des Lichts deutet darauf hin, dass im Zentrum ein Schwarzes Loch mit der Masse von etwa hunderttausend Sonnen sitzt, das aktiv Materie verschlingt und dadurch die enorme Helligkeit des gesamten Gebildes erzeugt.
Entdeckt wurde dieses ungewoehnliche Objekt im Rahmen einer internationalen Durchmusterung mit dem passenden Namen Mirage or Miracle, also Fata Morgana oder Wunder, die gezielt nach genau solchen raetselhaften Quellen in den Aufnahmen des James Webb Teleskops sucht.
Warum das ein grosses Raetsel loesen koennte
Die eigentliche Sprengkraft liegt darin, dass dieser Fund helfen koennte, eine der groessten offenen Fragen der Astronomie zu beantworten, naemlich wie es sein kann, dass schon so kurz nach dem Urknall Schwarze Loecher mit der Masse von Milliarden Sonnen existierten, obwohl dafuer eigentlich kaum Zeit war.
Zusaetzlich koennte MoM-BH-1 auch das Geheimnis der sogenannten Little Red Dots erklaeren, jener kleinen roten Punkte, die das James Webb Teleskop im fruehen Universum in grosser Zahl findet und die Fachleute seit ihrer Entdeckung ratlos zuruecklassen und lebhaft diskutieren.
Fuer mich zeigt diese Entdeckung genau das, was Wissenschaft so schoen macht, denn manchmal reicht ein einziges seltsames Objekt am Rand des sichtbaren Universums, um gleich mehrere alte Raetsel neu zu beleuchten, und die Forscher rechnen fest damit, dass sie schon bald viele weitere solcher Schwarzen-Loch-Sterne aufspueren werden.






