Felix BaumannVIEW PROFILE →
Auf der Suche nach einer zweiten Erde: Wie PLATO 200.000 Sterne ins Visier nimmt
Ende 2026 soll die europäische Weltraummission PLATO starten. Unter deutscher Federführung sucht das Teleskop nach erdähnlichen Planeten um sonnenähnliche Sterne und könnte einer der größten Fragen der Menschheit näherkommen.
Die Frage, ob wir allein im Universum sind, beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten. Ende 2026 will die Europäische Weltraumorganisation ESA dieser uralten Frage mit einer neuen Mission ein gutes Stück näherkommen, die den Namen PLATO trägt und gezielt nach fernen Welten sucht, die unserer eigenen Erde ähneln könnten.
Hinter dem Kürzel verbirgt sich der etwas sperrige Name Planetary Transits and Oscillations of stars. Das Weltraumteleskop soll nach dem Start rund 200.000 Sterne in unserer Milchstraße ins Visier nehmen und dabei vor allem jene Planeten aufspüren, die sonnenähnliche Sterne in einer angenehmen Entfernung umkreisen.
Ein Teleskop mit 26 Augen
Das Herzstück der Mission ist ungewöhnlich aufgebaut. Statt eines einzigen großen Spiegels trägt PLATO nach Angaben der beteiligten Institute gleich 26 einzelne Kameras, die gemeinsam auf einer optischen Bank montiert sind. Dieser Aufbau erlaubt es dem Teleskop, einen sehr großen Bereich des Himmels gleichzeitig im Blick zu behalten.
Reisen soll das Observatorium zum sogenannten Lagrange-Punkt L2, einem stabilen Ort im Weltraum rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Von dort aus hat das Teleskop einen weitgehend ungestörten Blick in die Tiefe des Alls, ohne dass Erde, Mond oder Sonne die empfindlichen Messungen stören und verfälschen können.
Deutschland in der Schlüsselrolle

Bei diesem europäischen Großprojekt spielt Deutschland eine tragende Rolle. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, kurz DLR, führt das internationale Konsortium an, das für die wissenschaftliche Nutzlast der Mission verantwortlich ist. Damit liegt ein ganz zentraler Teil der Verantwortung fest in deutscher Hand.
Konkret liefert das DLR nach eigenen Angaben die Ausleseelektronik sowie die Datenverarbeitungselektronik für zwei besonders wichtige Kameras der Mission. Auch der Bau des Satelliten trägt eine deutsche Handschrift, denn der Hauptauftragnehmer OHB in Bremen leitet die Montage gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern.
Eine weitere zentrale Aufgabe übernimmt das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Es betreibt das sogenannte PLATO-Datenzentrum, in dem die riesigen Datenmengen der Mission gesammelt und sorgfältig ausgewertet werden sollen. Ohne diese Infrastruktur ließe sich die Flut an Messwerten später kaum sinnvoll bewältigen.
Die Methode des winzigen Schattens
Um ferne Planeten überhaupt aufzuspüren, setzt PLATO auf die sogenannte Transitmethode. Zieht ein Planet aus unserer Blickrichtung genau vor seinem Stern vorbei, verdunkelt sich dessen Licht für einen kurzen Moment ganz leicht. Genau diese winzige und regelmäßige Abschwächung wollen die empfindlichen Kameras zuverlässig erfassen.
Aus dem Muster dieser Verdunkelungen lassen sich anschließend wichtige Eigenschaften der Planeten ableiten. Forscherinnen und Forscher können so unter anderem abschätzen, wie groß ein Planet ist und wie lange er für eine einzige Umrundung seines Sterns benötigt. Das ist ein entscheidender Schritt auf der Suche nach einer zweiten Erde.
Ein Fenster zur Bewohnbarkeit
Das eigentliche Ziel der Mission geht jedoch weit über das bloße Entdecken hinaus. PLATO soll gezielt Planeten finden, die ihren sonnenähnlichen Stern in einer Zone umkreisen, in der flüssiges Wasser und damit womöglich Leben grundsätzlich denkbar wäre. Die Bewohnbarkeit solcher fernen Welten rückt damit erstmals ernsthaft in den Fokus.
Heike Rauer, die das wissenschaftliche Konsortium leitet und am DLR-Institut für Planetenforschung sowie an der Freien Universität Berlin forscht, brachte die Bedeutung auf den Punkt. Diese Mission bringe uns der Antwort auf eine der wichtigsten Fragen der Menschheit näher, ob sich auch auf anderen Planeten Leben entwickelt habe, erklärte sie.
Was auf dem Spiel steht
Getragen wird der deutsche Beitrag zu der Mission von gleich mehreren Seiten. Nach offiziellen Angaben fließen Mittel der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, Fördergelder des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Beiträge der Max-Planck-Gesellschaft in das ehrgeizige Projekt. Es ist also eine gemeinsame nationale Anstrengung.
Sollte der Start Ende des Jahres wie geplant an Bord der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 gelingen, beginnt für die europäische Astronomie ein völlig neues Kapitel. Für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist PLATO weit mehr als nur ein Teleskop, es ist ihr Werkzeug für eine der ältesten Fragen überhaupt.






