Felix BaumannVIEW PROFILE →
Ein Planet, der den Tod seiner Sonne überlebte: Was Webb an einem Weißen Zwerg entdeckte
Der Gasriese WD 1856 b umkreist den ausgebrannten Kern eines toten Sterns. Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop haben Forschende dort erstmals eine Atmosphäre nachgewiesen , und ein Rätsel aufgeworfen.
Wenn ein Stern wie unsere Sonne stirbt, hinterlässt er einen glühenden, langsam erkaltenden Kern – einen Weißen Zwerg. Dass ein Planet dieses gewaltsame Ende überstehen kann, galt lange als unwahrscheinlich. Doch rund 80 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist der Gasriese WD 1856 b genau einen solchen toten Stern, und das James-Webb-Weltraumteleskop hat nun tief in seine Atmosphäre geblickt.
Ein Riese auf engster Umlaufbahn
WD 1856 b wurde bereits 2020 entdeckt und ist ein Gasriese von der Größe des Jupiter. Bemerkenswert ist vor allem seine Bahn: Er zieht seine Kreise rund fünfzigmal näher an seinem Stern, als die Erde um die Sonne läuft. Aktuelle Messungen schätzen seine Masse auf etwa das Fünffache der Jupitermasse, bei einem Systemalter von rund 9,3 Milliarden Jahren, also deutlich älter als unser eigenes Sonnensystem.
Die erste Atmosphäre um einen toten Stern

Das eigentlich Neue steckt in der Chemie. Mit dem James-Webb-Teleskop gelang es einem Forschungsteam erstmals, die Atmosphäre eines Planeten nachzuweisen, der einen Weißen Zwerg umkreist. Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Analyse zeigt eine kohlenstoffreiche Gashülle mit Kohlenwasserstoffen und Hinweisen auf Methan. Damit wird ein Planet an einem kosmischen Sternenfriedhof so genau untersucht wie nie zuvor.
Rätselhaft warm
Eine Beobachtung gibt den Forschenden besonders zu denken: Mit rund 186 Kelvin, also etwa minus 87 Grad Celsius, ist WD 1856 b der kälteste jemals direkt nachgewiesene Exoplanet. Und doch ist er deutlich wärmer, als das schwache Licht des Weißen Zwergs allein erklären könnte. Woher diese zusätzliche Wärme stammt, ist bislang offen und macht den fernen Gasriesen zu einem echten Rätsel für die Astronomie.
Ein Nachzügler im Sternensystem
Eine mögliche Erklärung liefert die Vorgeschichte des Planeten. Vieles deutet darauf hin, dass WD 1856 b nicht schon immer auf seiner heutigen, extrem engen Bahn kreiste, sondern erst lange nach dem Tod seines Sterns dorthin wanderte. Hätte er sich von Anfang an so nah befunden, wäre er von dem sterbenden, aufgeblähten Stern vermutlich verschluckt oder zerrissen worden. Der Gasriese ist also womöglich ein kosmischer Nachzügler.
Für die Wissenschaft ist der Fund weit mehr als eine kuriose Momentaufnahme. Weiße Zwerge sind das Schicksal der allermeisten Sterne, auch unserer Sonne in ferner Zukunft. Zu verstehen, wie und ob Planeten ein solches Ende überstehen, hilft dabei, die langfristige Entwicklung ganzer Planetensysteme zu begreifen, und liefert einen Vorgeschmack darauf, wie unsere eigene kosmische Nachbarschaft einmal enden könnte.






