Felix BaumannVIEW PROFILE →
Ein Ozean aus Lava, gehüllt in Luft: Wie Webb auf einer uralten Höllenwelt eine „unmögliche" Atmosphäre fand
Das James-Webb-Teleskop liefert den bislang stärksten Hinweis auf eine dichte Atmosphäre um den ultraheißen Gesteinsplaneten TOI-561 b, eine uralte Super-Erde mit Magmaozean und einem Jahr von nur zehn Stunden.
Es galt lange als nahezu ausgeschlossen, dass ein glühender Gesteinsbrocken so dicht an seinem Stern überhaupt eine Lufthülle festhalten kann. Doch neue Beobachtungen des James-Webb-Weltraumteleskops liefern nun den bislang stärksten Hinweis darauf, dass genau dies der Fall ist: Der ultraheiße Gesteinsplanet TOI-561 b, eine sogenannte Super-Erde, scheint von einer erstaunlich dichten Atmosphäre umgeben zu sein.
Eine Höllenwelt mit Zehn-Stunden-Jahr
TOI-561 b ist alles andere als ein gemütlicher Ort. Der Planet besitzt etwa die doppelte Masse der Erde, umkreist seinen Stern aber rund vierzigmal enger, als Merkur die Sonne umläuft. Ein einziges Jahr dauert dort nur gut zehn Stunden. In gebundener Rotation kehrt der Planet seinem Stern stets dieselbe Seite zu, auf der ein Ozean aus flüssigem Gestein, ein glühendes Magmameer, brodeln dürfte.
Kühler als erwartet
Der entscheidende Hinweis kam aus einer Temperaturmessung. Für einen nackten, ungeschützten Felsen war die Tagseite des Planeten schlicht zu kühl. Genau dieses Rätsel deutet auf eine Atmosphäre hin: Nur eine Gashülle kann Wärme von der glühenden Tagseite auf die Nachtseite umverteilen und so die gemessenen Werte erklären. Zudem reflektiert der Planet auffällig viel Licht, ein weiteres Indiz für eine dichte, gasreiche Hülle.
Uralt und doch behütet
Besonders erstaunlich ist das Alter des Systems. Der Stern TOI-561 zählt mit geschätzten rund zehn Milliarden Jahren zu den ältesten bekannten Sternen unserer Milchstraße, auch wenn diese Zahl mit Unsicherheiten behaftet ist. Sollte der Planet seine Atmosphäre tatsächlich über Milliarden von Jahren gehalten haben, würde das gängige Vorstellungen davon, wie langlebig Lufthüllen auf solchen Extremwelten sein können, gehörig ins Wanken bringen.
Warum das die Suche nach Leben verändert
Für die Forschung ist der Fund weit mehr als eine kuriose Einzelbeobachtung. Ob kleine, felsige Planeten ihre Atmosphären überhaupt behalten können, ist eine der zentralen Fragen auf dem Weg zur Suche nach fernen, lebensfreundlichen Welten. TOI-561 b selbst ist als Lavaplanet gewiss unbewohnbar, doch der Nachweis zeigt, dass selbst extreme Gesteinswelten von Gas umhüllt sein können, ein wichtiges Signal für künftige Beobachtungen.
Ein Blick voraus
Die Ergebnisse, die das Team im Dezember 2025 in einer astronomischen Fachzeitschrift veröffentlichte, beruhen auf einer sogenannten Phasenkurve, die Webb mit seinem Nahinfrarot-Instrument aufzeichnete. Noch bleiben Fragen offen, etwa die genaue Zusammensetzung der Hülle. Doch weitere Beobachtungen dürften folgen, denn TOI-561 b ist zu einem faszinierenden Testfall dafür geworden, was auf den heißesten Felswelten des Kosmos möglich ist.






