Felix BaumannVIEW PROFILE →
Ein deutscher Staubfänger für die Sterne: Der DESTINY+ Dust Analyzer ist auf dem Weg zu Asteroid Phaethon
Ein in Deutschland gebautes Instrument soll helfen, die Entstehung des Sonnensystems zu entschlüsseln. Der DESTINY+ Dust Analyzer wurde im Mai 2026 an Japan übergeben und fliegt mit der JAXA-Mission DESTINY+ zum rätselhaften Asteroiden Phaethon.
Ein in Deutschland gebautes Instrument ist auf dem besten Weg, ein Schlüsselelement einer der faszinierendsten Weltraummissionen der kommenden Jahre zu werden. Der DESTINY+ Dust Analyzer, der kosmischen Staub einfangen und untersuchen soll, wurde im Mai 2026 nach Japan geliefert. Dort soll er helfen, eine der ältesten Fragen der Wissenschaft zu beantworten, nämlich wie unser Sonnensystem entstanden ist. Ein winziges Staubkorn könnte dabei zum Schlüssel werden.
Die Mission selbst trägt den Namen DESTINY+ und wird von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA geleitet. Der Start ist für 2028 vom Weltraumbahnhof Tanegashima geplant. Ihr Ziel ist es, kosmischen Staub im All zu vermessen und einen geheimnisvollen erdnahen Asteroiden aus nächster Nähe zu besuchen. Es ist eine Mission, die das ganz Große über das ganz Kleine zu verstehen versucht.
Im Herzen der wissenschaftlichen Nutzlast steckt ein deutscher Beitrag. Der DESTINY+ Dust Analyzer, kurz DDA, wurde am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart entwickelt und gebaut. Finanziert wurde er von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR mit Mitteln des Bundes. Damit steht ein deutsches Präzisionsinstrument im Mittelpunkt einer internationalen Weltraumforschung.
An dem Projekt waren einige der führenden deutschen Forschungseinrichtungen beteiligt. Neben der Universität Stuttgart wirkten das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen, die Freie Universität Berlin und das Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg mit, ergänzt durch japanische Partner. Der DDA ist damit ein Aushängeschild deutscher Kompetenz im Bau von Weltrauminstrumenten. Er zeigt, dass Deutschland bei anspruchsvoller Forschungstechnik weit vorne mitspielt.
Was der Staubdetektor misst
Die Fähigkeiten des Instruments sind bemerkenswert präzise. Für jedes einzelne Staubkorn, das der DDA einfängt, bestimmt er die chemische Zusammensetzung, die Masse, die Geschwindigkeit, die Flugrichtung und sogar die elektrische Ladung. Aus diesen winzigen Körnern hoffen die Forschenden, die Geschichte des frühen Sonnensystems herauszulesen. Jedes Teilchen wird so zu einer kleinen Zeitkapsel aus der Frühzeit des Alls.
Kosmischer Staub mag unbedeutend erscheinen, doch er ist eine Art kosmisches Archiv. Durch seine Analyse wollen die Wissenschaftler verstehen, wie sich das Sonnensystem gebildet hat und wie Planetensysteme allgemein entstehen. Sogar Hinweise auf den Ursprung des Lebens erhoffen sich die Forschenden aus dieser Untersuchung. Der scheinbar wertlose Staub könnte also einige der grundlegendsten Rätsel der Astronomie lösen.
Der DESTINY+ Dust Analyzer wurde an der Universität Stuttgart gebaut und am 28. Mai 2026 an die japanische Raumfahrtagentur JAXA übergeben.
Das Ziel: der rätselhafte Phaethon

Das eigentliche Ziel der Reise ist der Asteroid 3200 Phaethon, ein erdnaher Himmelskörper mit einem Durchmesser von etwa sechs Kilometern. Phaethon ist deshalb so besonders, weil er die Quelle des Geminiden-Meteorstroms im Dezember ist, eines der zuverlässigsten Sternschnuppenströme des Jahres. Ein Besuch aus der Nähe könnte endlich erklären, wie dieser Zusammenhang genau funktioniert. Der Asteroid verhält sich fast wie ein Komet, obwohl er keiner ist.
DESTINY+ wird allerdings nicht direkt dorthin fliegen. Nach dem Start ist zunächst ein Vorbeiflug am Asteroiden Apophis im Jahr 2029 geplant, bevor die Sonde ihren Kurs Richtung Phaethon fortsetzt. Auf dem gesamten Weg sammelt das Instrument kontinuierlich Staubmessungen. So wird nicht nur das Ziel selbst, sondern auch der Raum dazwischen zu einem Labor für die Forschung.
Für die deutsche Seite ist mit der Übergabe bereits ein wichtiger Meilenstein erreicht. Der DDA wurde am 28. Mai 2026 an JAXA übergeben und ist sicher in Japan angekommen. Dort wird er in den kommenden Monaten in die Sonde integriert und für den Start im Jahr 2028 vorbereitet. Nach Jahren der Entwicklung geht das deutsche Instrument damit in seine entscheidende Phase über.
DESTINY+ zeigt eindrucksvoll, wie moderne Weltraumforschung heute funktioniert, nämlich als globale Teamleistung. Ein deutsches Instrument reist auf einer japanischen Sonde, um eine sehr alte Frage zu beantworten. Woher kommen unser Sonnensystem und vielleicht sogar wir selbst? Die Antworten könnten sich ausgerechnet im feinsten kosmischen Staub verbergen, den ein Detektor aus Stuttgart Korn für Korn entschlüsseln soll.





